„Es ist eine Gabe..und ein Fluch“

-Monk

Overdramatic

Thema:  Hochsensibilität (High-Sensitivity bzw. HSP) :

Hochsensibel ist für den einen, nicht das, was es für den Anderen ist. Hochsensibel zu sein bedeutet weit mehr als das, was die meisten denken. Es bedeutet nicht einfach nur, dass man sensibel ist. Wo andere abschalten können stehen bei Hochsensiblen alle Sensoren immernoch auf Empfang. Man nimmt Dinge/Reize (stärker) wahr, die andere vermutlich nicht mal registrieren. Farben, Gerüche, Geräusche, Temperaturen, Licht, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Gefühlslagen anderer etc…..

Manche freuen sich, dass es für dieses Empfinden nun einen Namen gibt, wodurch dieses Anders-Sein endlich mal erklärt wird. Natürlich ist es schön, zu wissen, dass man damit nicht allein ist und es eine Erklärung gibt, auch wenn die Forschung noch in den Kinderschuhen steckt. Dieses sogenannte „Temperament“ steckt anscheinend in 10-20 % der Menschheit. Doch auch, wenn es dafür nun einen Namen gibt, fällt es den „Anderen“, den Nicht-Hochsensiblen schwer Verständnis dafür aufzubringen. Denn wer das Gefühl nicht kennt, kann es auch nicht nachempfinden. Und gerade das ist für einen Hochsensiblen schwer zu verstehen, da diese ja (fast) alles nachempfinden können. Welch Ironie!

Oft werden Informationen, Eindrücke, Stress, Erlebnisse, Krisen und schlechte Nachrichten nur sehr schwer verarbeitet, da es für einen Hochsensiblen einfach mehr wahrzunehmen gab. Dies lässt sich auch nicht abstellen. Das kostet viel Zeit und auch häufig den Schlaf. Die Sensoren stehen immer auf Empfang. Hier gibt es einmal die äußeren Reize, wie oben beschrieben, allerdings auch die inneren. Das sind Gedanken und Vorstellungen, Fantasien und auch Erinnerungen, die einen nicht loslassen. HSP ziehen sich daher meist gerne zurück, damit sie neben ihren inneren Reizen nicht noch die äußeren Reize verarbeiten müssen.

Es gibt Tage da fühlt man sich stärker, gewappneter, und andere Tage, an denen fast alles zu viel für einen wird. Man fühlt sich zerbrechlich. Man fühlt sich überfordert. Man fühlt sich verloren. Das nervt. Man braucht viel Ruhe und Zeit für sich. Das muss man lernen. Man kann lernen mit der Hochsensibiltät umzugehen, es gibt hierfür diverse Internetseiten, Ratgeber und Workshops. Dennoch bin ich der Meinung, dass man es am Ende für sich selbst herausfinden muss, denn nicht alle Betroffenen sind gleich. Man sollte sich Grenzen setzen, wann es einfach genug für einen ist und Abstand von dem zu nehmen was einem nicht gut tut. Menschenansammlungen, Einkaufszentren und laute Partys sind meist nichts für Hochsensible. Geregelte Tagesabläufe bringen eine Struktur herein. Eine gewisse Ordnung muss es geben. Veränderungen können Angst machen. Spontanität ist nur etwas für starke Tage. Termine sind aber eigentlich auch nicht wünschenswert. Entspannungsübungen können einem helfen ein wenig zur Ruhe zu Kommen, zum Beispiel progressive Muskelrelaxation nach Edmund Jacobson und einige Atemübungen, die ich ein ander Mal erklären werde.

Ja, es schränkt einen ein, denn man lebt nicht so wie die meisten anderen, ist nicht so locker wie die anderen, man kann oft nicht das unternehmen was man gerne möchte, weil einem einfach das Ganze über den Kopf wächst. Es macht einen ängstlicher, vorsichtiger und man grenzt sich dadurch oft aus. Das kann einen traurig machen. Aber es nennt sich keine Krankheit, es ist ein Wesenszug, ein Temperament. Oder ähnlich wie bei „Monk“, eine Gabe und ein Fluch zugleich.

Ja, es steckt auch eine Gabe dahinter, denn dieses starke Einfühlungsvermögen besitzt nicht jeder, auch wenn es neben den Hochsensiblen natürlich auch noch viele Sensible gibt, die teilweise ähnlich nachempfinden können.

Hochsensible sehen die Dinge meist aus einer ganz anderen Perpektive, Denken in viel größeren Zusammenhängen, analysieren Tatsachen differenzierter, haben sehr oft eine besonders gut ausgeprägte Intuition, sind kreativ und sehr schnell und stark zu etwas zu begeistern. Daher werden sie häufig nach Ihrer Meinung und um Rat gefragt.

Natur und Kunst wird viel intensiver wahrgenommen, nicht selten stecken wahre Künstler in Hochsensiblen. Ich denke zum Beispiel, dass viele große Schriftsteller zu der Gruppe der HSP gehör(t)en. Sie haben ein Gespür für die Gefühlslage anderer, und dieses Gefühl beeinflusst den HSP dann auch sehr. Sie sind oft zutiefst berührt von Musik, Texten, Kunst und Situationen, bei denen andere schnell wieder abschalten.

Hochsensible leiden unter Ungerechtigkeit, da sie einen großen Gerechtigkeitssinn besitzen. Sie versuchen selbst es möglichst allen recht zu machen und haben ein schlechtes Gewissen wenn sie das nicht hinbekommen. Parallel dazu steckt oft ein Hang zum Perfektionismus in Hochsensiblen, womit sie sich selbst unter Druck setzen. Ihnen fallen allerdings auch die Fehler von anderen oft schnell ins Auge, wobei sie eigentlich keine Besserwisser sein wollen, sondern nur versuchen andere zu Ihrer Perfektion zu bringen. Sie mögen einfach keine Fehler und reagieren eben auch sensibel auf diese. Ähnlich wie bei Monk sozusagen. Hochsensible leben mit einem stark ausgeprägten Gewissen, sie können kein Leid ertragen und sind harmoniebedürftig. Das bedeutet natürlich nicht das HSP keine Fehler machen oder von Emotionen geleitet keine unbedachten Kurzschlussreaktionen folgen oder sie perfekt sind.

Und dann gibt es noch die eigene emotionale Welt der Hochsensiblen. Emotional ist fast jeder Mensch auf seine eigene Weise. Doch die Hochsensiblen verspüren Emotionen intensiver und länger. Sie verarbeiten diese viel tiefer und gründlicher. Ein starkes Gefühl lozulassen ist für HSP nicht einfach, es begleitet einen genau wie die Erinnerung. Manchmal folgen Schlüsselerlebnisse die dieses Gefühl wieder aufleben lassen, bei denen ein Hochsensibler das Geschehene, die Erinnerung und das Gefühl wieder neu aufarbeiten bzw. verarbeiten muss.

Hochsensible haben es nicht leicht. Hochsensible sind anders und reagieren anders. Es kann niemand behaupten, dass sie nicht normal sind. Denn niemand ist normal und niemand ist perfekt. Es gibt bloß Menschen, die sind sich ähnlich. Aber jeder tickt auf seine eigene Art.

Das ist nur ein Auszug aus meiner Art.

 

 

 

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Ein Gedanke zu “„Es ist eine Gabe..und ein Fluch“

  1. Darf ich Dich mit dem nachfolgenden Link zu einem Lesebesuch auf meine Websaite einladen?
    Der Link führt zu meiner Rezension eines neuen Buches über Hochsensibilität von Eliane Reichardt.

    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/06/20/hochsensibel/

    Eliane Reichardt macht den Leser auf feinfühlige und konzentrierte Weise mit dem Phänomen Hochsensibilität vertraut. Das Buch dient dem Normalsensiblen als Einblick in die Wahrnehmungsperspektive, geistige Verarbeitungsform und psychischen Verhaltensweisen des Hochsensiblen. Für den hochsensiblen Menschen (kurz: HSM) bietet es eine erfreulich bestätigende Schatzkarte seiner besonderen Wesensart.

    Sobald man Hochsensibilität nicht als Schwäche betrachtet, sondern als Kompetenz, ist man schon auf einem guten Wege. Wenn man seinen Verhaltensmustern und Bedürfnissen mit Selbstachtung begegnet, kann daraus ein besseres Selbstverständnis erwachsen. Ein selbstverständliches Selbstwertgefühl erleichtert und harmonisiert auch den kooperativen oder – gegebenenfalls abgrenzenden – Umgang mit Normalsensiblen.

    Empfindsame Grüße 🙂
    Ulrike von Leselebenszeichen

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