„Ein Werk der Schönheit ist ein Glück für immer…“

„Fast möchte ich mir wünschen, wir wären Schmetterlinge und unser Leben währte nur drei Sommertage lang. Drei solcher Tage mit Euch könnte ich mit mehr Entzücken füllen, als fünfzig gewöhnliche Jahre je zu geben vermöchten..“   John Keats (Brief an Fanny, 1.07.1819)

Das ist wohl das Romantischste und zugleich Traurigste was ich je gelesen habe.

Dafür muss man die Geschichte hinter dieser traurigen, fast unerträglichen Liebe kennen. Eine Liebe, die durch seine Krankheit und seinen Mangel an finanziellem Erfolg zum Scheitern verurteilt war.

John Keats war gerade 23 Jahre alt, Fanny Brawne 18, als sie sich 1818 kennenlernten. John Keats- ein junger nicht gerade erfolgreicher Schriftsteller, der schon früh seine Eltern verlor und kürzlich auch noch seinen Bruder und überhaupt nicht an die romantische Liebe glaubte. Und Fanny Brawne- eine für diese Zeit aufmüpfige, außergewöhnliche Dame mit einem Faible für selbstgeschneiderte, neue extravagante Mode. Sie waren sich Ihrer Liebe nicht sofort bewusst, dennoch war es für sie beide eine leidenschaftliche, tiefe, ehrliche erste Liebe, von der heute nur viele träumen können. Auch wenn Ihre Mutter wohl nicht all zu viel von ihm als Schwiegersohn hielt. Sie lebten durch seinen damaligen besten Freund Charles ab 1819 für eine Weile sogar unter einem Dach, sie aßen gemeinsam und verbrachten gemeinsame Zeit im Garten, was neben den Schicksalsschlägen, die er in seinem jungen Leben bereits erleben musste sehr zu seiner Kreativität und Produktiviät beitrug. Seine berühmtesten Gedichte Ode to Psyche, Ode on a Grecian Urn, Ode to a Nightingale, On melancholy, und To autumn stammen aus dieser Zeit. Doch auch ihn traf nach seiner Mutter und seinem Bruder die Tuberkolose. Er verreiste auf den Rat seiner Ärzte von London nach Rom um dort an der frischen Luft zu genesen. Trotzdem verstarb er dann bereits im Februar 1821 mit nur 25 Jahren in den Armen seines Freundes.

Wenn man die Texte des John Keats liest merkt man, wie leidenschaftlich seine Seele war, voll von Emotionen. Er beschrieb sie selbst als „die unzufriedenste und unruhigste, die jemals in einen Körper gelegt wurde, der ihr zu klein ist.“ Sein Freund, der Maler Joseph Severin, in dessen Arme John Keats verstarb, war der Meinung, dass er durch sein intensives Gefühlsleben, wenn auch positiver Natur, niemals eine Art Gemütsruhe erreicht hätte. So sehr fühlte Keats. Daher schrieb er nicht nur romantische Zeilen an seine Liebste, auch Eifersucht, Liebesschmerz, Qualen, Wut und Zorn findet man, bei denen mir die liebende Fanny einfach nur leid tut.

„Ich wünschte, Du könntest etwas erfinden, um mich ganz glücklich zu machen ohne Dich…“

„Hamlets Herz war voll von solchem Elend, als er zu Ophelia sagte: „Geh in ein Kloster, geh geh!“ Wahrhaftig, ich möchte sofort alles aufgeben, ich möchte gerne sterben. Ich ekle mich vor der brutalen Welt, der Du zulächelst…“

„Ich bin jetzt nicht so unglücklich, wie ich es wäre, wenn ich dich gestern gesehen hätte“

„Ich bin ein Feigling; ich kann den Schmerz, glücklich zu sein, nicht ertragen“

„Ich kann ohne Dich nicht leben und nicht nur nicht ohne Dich, sondern nicht ohne Dein keusches tugendhaftes Ich….Schreibe nicht, wenn Du es nicht mit kristallklarem Gewissen tun kannst.“

„Du kannst keinen Schritt gehen, noch einen Lidschlag tun, ohne dass es mir einen Stich ins Herz gibt.“

Er muss Fanny mit jeder Faser seines Herzens geliebt haben, so sehr, dass es ihm unerträglich war. Dass seine Sehnsucht nach ihr und Ihrer Liebe ihn verzehrte, so sehr, dass er wütend war, dass sie ihm mehr Liebe als sie tatsächlich fühlte zu schreiben wagte. Er spürte wahrhaftig Schmerzen vor Liebe.

„Wenn ich sterben sollte“, sagte ich zu mir selbst, “ habe ich kein unsterbliches Werk zurückgelassen – nichts, um meine Freunde stolz auf meine Erinnerung zu machen – aber ich habe das Prinzip der Schönheit in allen Dingen geliebt, und wenn ich Zeit gehabt hätte, würde ich mir einen Gedanken geschaffen haben.“

Sein Grab befindet sich auf dem protestantischen Friedhof in Rom. Auf seinem Grabstein stehen die Worte „Here lies One Whose Name was writ in Water.”

Die tragische Geschichte der Beiden wird in dem Film „Bright Star-meine Liebe.Ewig“ wunderbar erzählt. Mich hat der Film tief berührt, daher habe ich mir auch eine Sammlung seiner Worte und Briefe gekauft und viel über ihn gelesen. John Keats war ein wahnsinnig großer Poet, dessen Geschichte niemals vergessen werden darf.

 

 

 

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4 Gedanken zu “„Ein Werk der Schönheit ist ein Glück für immer…“

      1. Dieser Film ist allgemein nicht sehr bekannt.
        Ich habe ihn vor drei oder vier Jahren von einer meiner – hochsensiblen – Freudinnen zu Weihnachten geschenkt bekommen.

        Mein Geschmacksspektrum ist vielfältig, was sich u.a. auch in der Genrevielfalt meiner LESELEBENSZEICHEN spiegelt.
        Bloß Chick-Lit (oberflächlich), Thriller (grausam) und Mitttelalterschinken (BÄH! stinkendes Mittelalter) sowie den 175.Vampirromanaufguß (massenhysterisch) ignoriere ich gelassen.

        Ich wünsche Dir von Herzen, daß noch viele Menschen Deinen Lebenskreis füllen werden, mit denen Du fein harmonieren und hochsensible Genüsse teilen kannst!

        Mondvolle Gutenachtgrüße von Ulrike

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