Mein Traum aus 1001 Nacht … Marokko

„Wie fern bin ich den Menschen, wenn ich bei Ihnen weile und wie nahe, wenn ich fern von Ihnen bin.“ – Khalil Gibran

Marokko. Agadir.

Collage_Fotor6

Das Land in dem ich so gut wie all meine Sommerferien verbracht habe. Dem ich nach jeder Abreise hinterherweinte und die Tage zählte bis zu unserem nächsten Abflug.

Meine Mutter verliebte sich schon als junge Erwachsene in dieses Land und verbrachte etliche Urlaube dort und auch mir lehrte sie die Liebe zu diesem Land.

Ich glaube entweder man verliebt sich oder man möchte so schnell wie möglich wieder zurück. Denn es hat schon seine Eigenheiten. Die Kultur, die Menschen, die Sprache, die Schrift, die Gerüche, das Getümmel, die Farben, die Muster, das Essen, die Musik, die fliegenden Händler „Nur Gucken, nix Kaufen“, die Einfachheit und die Dürre…

Ich muss zugeben, nachdem wir eine Weile nicht dort waren und ich als Teenager zum ersten Mal wieder dort gelandet bin habe ich geweint. Ich habe mich erschrocken von der Armut und der Dürre. Und doch verliebte ich mich wieder aufs Neue. Heute verspüre ich z.B. bei dem Geruch von Pfefferminze, von Kümmel und Koriander direkt eine Sehnsucht in meinem Bauch.

Collage_Fotor1

Meine Familie und ich haben eine tiefe Freundschaft zu diesem Land und einigen Menschen dort, denen ich so schöne Erinnerungen verdanke. Ich denke nicht, dass man tolerant sein muss um das zu können. Jeder sollte anderen Menschen die Möglichkeit geben sein Freund zu werden. Denn auch wenn sie anders sind, anders kochen, anders sprechen, anders leben sind die genau das was man selbst ist. Ich liebe diese komplett andere Sprache, die Schrift, die aussieht wie gemalt, und habe in vielen Jahren immer mal wieder angefangen etwas davon zu lernen, wobei sich heute meine Kenntnisse bloß noch auf ein paar Zahlen und Begriffe beschränken. Leider. Solch eine Gastfreunschaft wie wir bei unseren Freunden dort erleben durften, habe ich selten in Deutschland erlebt. Wir wurden bekocht, wir wurden versorgt, wenn einer kränklich war und wir sind miteinander auf den Markt gegangen. Auf mich wurde aufgepasst als wäre ich ein Teil dieser Familie. Das ist meine Erfahrung. Natürlich gibt es nicht nur solche Menschen dort und einige werden auch schlechte Erfahrungen gemacht haben oder machen, dennoch bleibt meine Verbundenheit und Liebe zu diesem Land wohl auf ewig bestehen, egal was kommen mag in Bezug auf die derzeitige Situation.

Ein negatives Erlebnis hatte ich leider auch mal, am Strand im Wasser. Da kamen ein paar Jungs an mich herangetaucht und fassten mich an. Das erinnert an die Silvesternacht und an diese Schwimmbadnachrichten. Aber so sind nicht alle. Es waren halt kleine Jungs. Unsere Freunde waren z.B. völlig anders. Sie waren nett, vorsichtig, zurückhaltend und haben mich beschützt. Vor allem. Die Polizei wollte uns mal festnehmen weil wir Händchen hielten in der Öffentlichkeit. Das war ziemlich verrückt. Auch der Vater war anders als die meisten vermuten. Er hat seine Tochter und mich behandelt wie eine Prinzessin, er lässt sie heute z.B. modeln usw. Auch Hilfbereitschaft kenne ich von Marokko. Mein Papa und ich hatten mal einen Jet-Ski Unfall, bei dem wir von dem Teil runtergeflogen sind, irgendwo im Meer landeten und unser Jet-Ski einfach wegschwamm, da kamen sie von allen Seiten und haben uns geholfen. Im Hotel selbst habe ich auch einige Freunde gefunden, viele liebe Menschen die, wie wir, jedes Jahr ihre Ferien dort verbrachten. Aus allen Ländern. Viele aus Marokko selbst, aus dem Landesinneren. Wir waren eine wunderschöne Gemeinschaft, egal wo wer herkam. Dafür muss man kein Gut-Mensch sein. Ich danke meiner Familie und unseren Freunden dort für alle die schönen Erinnerungen, und vorallem auch dafür, dass ich heute so eine Einstellung haben darf und nicht wie viele andere so abweisend auf Andersartigkeit reagiere.

Die Andersartigkeit ist doch meist das was einen fasziniert. Was mich fasziniert.Was auch die Menschen dort an mir fasziniert hat. Meine Mutter hatte mich mal als Kind auf dem Arm durch die Straßen getragen, da kam eine völlig fremde Frau und küsste mich auf den Kopf und sagte meiner Mama ich wäre ein Engel, wegen meiner goldblonden Haare und meinen blauen Augen. Auch Jahre später faszinierten meine Haare die jungen Mädchen dort. Wobei ich immer die tollen dunklen Haare und die dunklen Augen schön fand. Ich mag auch die Sprache, ich finde sie wunderschön. Ich muss nämlich nicht immer alles verstehen. Ich mag die Gewürze, den Duft, wenn man durch die Markt geht, die Musik, die Muster auf der Kleidung, auf den Teppichen, die Melodien der Bauchtänzerinen und Schlangenbeschwörer, eben den ganzen orientalischen Firlefanz.

Wir verbrachten unsere Urlaube immer in sehr einfachen und schlichten Hotels. Keine All Inklusive Urlaube, so wie ich sie heute verbringe. Aber es war schön. Es fehlt mir sogar. Die Einfachheit war wunderbar. Wir hatten nichtmal einen Fernseher auf dem Zimmer. Teilweise hatten wir nichtmal mit Verpflegung gebucht, d.h. wir gingen morgens selbst die Fladenbrötchen oder pfannkuchenähnlichen Gebäckstücke holen und frühstückten gemütlich in unserem Zimmer oder auf der Terrasse. Wir haben die Zeit einfach zusammen genossen. Gespielt, gelacht und gefaulenzt.

Wir hielten uns durch unsere Freunde sehr viel im „Einheimischen-Viertel“ Al-Massira auf. Das heißt, wir lernten das Land richtig kennen. Nicht nur durch einen Besuch auf dem Markt oder sonstige Ausflüge, sondern durch beispielsweise Spaziergänge durch die Straßen, in denen die Menschen sitzen, in denen sie leben, in denen sie einkaufen oder zur Schule gehen. Nicht nur dort wo sie versuchen zu verkaufen. Wir durften beim nächtlichen Ramadan-Essen teilnehmen, wofür wir allerdings nicht den ganzen Tag hungerten 😉 . Wir kauften mit der Familie frische Lebensmittel und Kleidung auf dem Markt ein und verbrachte ganzen Tage in deren Haus. Ich denke das macht einen großen Unterschied zu denen, die bloß in ein Strandhotel fahren, dort ihre Zeit verbringen und nur mal den ärmeren Vierteln vorbeifahren und sich erschrecken oder belästigt fühlen, wenn sie die Marokkaner sehen. Ein Satz schockierte mich bis heute immernoch sehr „Hier fahren wir nicht nochmal hin, hier sind uns zu viele Einheimische am Strand.“ Meine Güte, sollen die zuhause bleiben, nur weil deutsche Touristen im Anflug sind?! Ja, die Teppichverkäufer, die Wassermelonen- oder Lolliverkäufer am Strand können einem auf den Nerv gehen, aber was sind das für arme Menschen, die mühselig versuchen damit ein wenig Geld zu verdiehnen? Natürlich findet man in solchen Ländern auch immer wieder Bettler, Kinder, kranke und sogar Behinderte an den Straßen, die die Hand ausstrecken und teilweise richtig aufdringlich sind. Das sind oft Leute, die wirklich nichts haben, und in den Touristen die Reichen sehen, die sich leisten können so weit zu fliegen. Ich habe Mitleid und sehe das nicht als Grund Abneigung zu empfinden. Auch wenn Ganoven darunter sind.

Meine Mama hat ziemlich viel von dem Land gesehen, wobei meine Ausflüge sich hauptsächlich auf rund um Agadir und Marrakesch beschränkt haben. Jedoch war Agadir für mich wirklich ein stückweit Heimat geworden. Es war ziemlich erstaunlich zu beobachten wie sich der Ort von Jahr zu Jahr entwickelt hat und moderner wurde und auch die Menschen, die sich immer europäischer kleideten.

Leider würde ich heute, abgesehen davon, dass mein Freund eh nicht dort hin wöllte, nur mit Bauchschmerzen dorthin fliegen, erstens, da ich eine leichte Flugangst entwickelt habe und möglichst nur ganz kurze Strecken fliege und zweitens natürlich die andere Angst. Denn das Café, welches 2014 im April in Marrakesch durch eine Bombe in die Luft geflogen ist, habe ich auch schon besucht. Aber wo muss man heute keine Angst haben, bei den schrecklichen Nachrichten jeden Tag? Ich hätte keine Angst vor Marokko oder den Menschen im Allgemeinen, sondern davor, dass dort eventuell nicht so gut aufgepasst wird wie hier und sich dort mehr von den Wahnsinnigen aufhalten. Mir fehlt das Land mit seinen Eigenheiten aber zweifellos sehr.

Collage_Fotor4

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Mein Traum aus 1001 Nacht … Marokko

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s