Ein Erstes Mal.

Es gibt immer ein erstes Mal. Heute für mich, die erste Kündigung.

Aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Ich bin mit Abstand die jüngste von den dreien, die in Frage gekommen wären, d.h sozialgerechtlich gesehen am fairsten. Ja, und das ist auch tatsächlich der wahre Grund, so bitter wie es klingen mag. Wir haben vor etwas über einem Jahr eine neue Vertriebs-Niederlassung eröffnet, und aus den anfänglichen Startschwierigkeiten ist fast ein Dauerzustand geworden. Der Umsatz stagniert in einer gewissen Höhe so vor sich hin. Der verfluchte Handel, es gibt einfach zu viel Konkurrenz am Markt und wenn der Einkauf nicht stark genug verhandelt, hat der Vertrieb trotz excellenten Kundenbindungen die Probleme an der Backe. Ich habe es ja irgendwie geahnt, als gestern die Einladung kam. Letzten Monat wurde schon ein Außendienst entlassen. Und heute dann zack „Frau xxxxx, Sie können ab Montag in Ort Xy anfangen oder wir kündigen Sie mit einer gewissen Abfindung. Es fällt uns sehr schwer, aber bei den Unkosten müssen wir Personalkosten einsparen oder wir machen komplett zu, Herr XY das können sie auch heute hier entscheiden“ Super. Aber ich war irgendwie gefasst, blieb sehr ruhig, stellte sachliche Rückfragen, auch wenn mir zwischendurch die Tränen kommen wollten. Ich hab das „Baby“ mit aufgebaut, war die erste im Büro und anfangs hochmotiviert und ich mag es dort eigentlich größtenteils echt gerne. Der eine Chef war eiskalt, der andere hatte glaube ich tatsächlich zumindest etwas Mitgefühl. Für mich wäre so ein Job nichts. Ich könnte nie so sein. Allerdings war die letzte Zeit auch wirklich nicht zufriedenstellend für mich, ständig diese Sorge, weil es eben nicht gut lief und auch dieses „Nicht-Laufen“ ist unbefriedigend für das Selbstwertgefühl. Man hat zu tun, ist aber eben nicht gefordert genug. An manchen Tagen mag das mal ganz angenehm sein, aber nicht ständig. Naja, und der andere Ort wäre für mich dann jeweils eine Fahrt von über 80 km, kommt mir nicht in die Tüte, mein Leben soll nicht aus Autofahren und Arbeiten bestehen, daher ist das für mich keine Alternative.

Das ist nun erst die zweite Arbeitsstelle in meinem bisherigen Leben gewesen, 2007 fing ich mit einer Ausbildung an, schloß mit Bravour ab, wurde übernommen, und arbeitete dort bis wir letztes Jahr mit ein paar Kollegen in diese andere Firma gewechselt sind. Wir wurden nämlich sozusagen abgeworben. Bei meinem alten Arbeitsplatz lief es in der gesamten Gruppe auch damals schon nicht mehr berauschend, es gab viele große Entlassungswellen und ich hatte dort auch mit ein zwei Kollegen so meine Unstimmigkeiten. Daher bereue ich die Entscheidung nicht dort weggegangen zu sein. Aber schon ein sehr seltsames Gefühl jetzt. Irgendwie auch befreiend und doch beänstigend. Etwas Neues ist immer erstmal komisch. Aber manchmal ja auch etwas Gutes. Ich bin verwirrt. Und muss mich jetzt erstmal sammeln. Ich habe totale Kopfschmerzen, mein Vorgesetzter und ich mussten heute dafür, um meine Kündigung abzuholen jeweils 3,5 Stunden hin und 3,5 Stunden zurückfahren. Dem sind übrigens auch die Tränen gekommen, wir arbeiten seit etlichen Jahren als Team. Tja. C´est la Vie. Definitiv kein schönes erstes Mal.

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11 Gedanken zu “Ein Erstes Mal.

  1. Liebe Rosablute, meine erste Entlassung hat mich ebenfalls kalt erwischt, aber es waren noch die späten 80er und überall wartete ein anderer Job auf mich. Danach bin ich gegangen, wenn ich es für sinnvoll hielt, aber schwer waren Entlassungen, als ich dann die Verantwortung trug, denn man entscheidet eben nicht nur über einen Kostenfaktor, sondern über ein Menschenleben und so etwas sollte nie leicht sein. Sei froh, dass du dort weg bist, denn Menschen, welche dir von „Unkosten“ berichten sind einfach zu doof für den Job und das sage ich als Selbstständiger. Ich wünsche dir einen besseren Job für die Zukunft, wo du eine gute Perspektive hast!

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    1. Hallo Arno, Danke für Deine lieben Worte. Ja , die Firma ist auch ein wenig bekannt für „erst heuern, dann feuern“, anfangs war das ja noch ganz spannend, aber das Problem der Umsatzzahlen, lag nicht nur an uns, sondern größtenteils an der Firma, weil wir einfach vieles nicht konnten, was andere Mitbewerber konnten, und wenn man dazu was gesagt hat, wollten sie das nicht hören. Es hätte eben noch viel Zeit gebraucht um mehr auszubauen. Ja, nun werde ich zum ersten mal meinen eigenen Weg gehen, ich weiß noch nicht genau wohin er mich führen soll. Ich glaube ich möchte weg von der Branche, vllt als Quereinsteiger irgendwo starten. Etwas was mehr zu meinem Charakter passt. Momentan tendiere ich auch zu einer TZ Stelle, solang es finanziel passt, einfach um mich zu ein wenig zu „fangen“. Aber es ist noch frisch. Ich bin noch angestellt, allerdings freigestellt 😉 Darf ich fragen was du machst als Selbstständiger?

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