Hochsensibel im Alltag #1

Nach dem Büchlein „Ängste verstehen und überwinden“ habe ich nun mit dem Büchlein  „Hochsensibel durch den Tag“ von Sabine Dinkel begonnen.

Auch hier finde ich mich ganz wieder. Und kann sogar einen Teil für den Grund meiner Ängste hier wieder finden. Ich fasse hier nur die Sachen zusammen, die ich interessant, hilfreich und zutreffend finde. Es lohnt sich für „Betroffene“ oder Interessierte wirklich das Buch selbst zu lesen.

Hochsensibel zu sein bedeutet ja „besonders reizempfindlich“ zu sein, einige Beispiele für Situationen, in denen sich Hochsensible demnach nicht allzu wohlfühlen, da sie hier mit Reizen „überflutet“ werden sind unter Anderem:

  • in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • in eng getakteten Terminen
  • in Jobs mit viel Publikumsverkehr
  • in großen Einkaufszentren
  • auf mehrtägigen Städtereisen
  • auf pompösen Firmen-oder Familienfeiern
  • in Vergnügungsparks
  • auf Volksfesten
  • auf lauten wilden Partys

Meist also Ereignisse, in denen es hektisch, laut, schrill und stressig zugeht. Hier verspüren HSP meist viel schneller den Drang sich zurückzuziehen, da sie dort oft eine kleine Reizüberflutung bekommen.

Viel mehr als diese Reize beeinflußen mich noch die inneren Reize, das zwischenmenschliche, Stress, Probleme, Konflikte, oder die „eigenen“ innere Reize wie Hunger, Durst, Kälte, Wärme, Schmerzen. Sowas bringt mich oft ganz aus der Fassung. Denn nahezu jeder Sinnesreiz wird von einem HSP stärker wahrgenommen und gespeichert, selbst emotionale Stimmungen fallen bei uns stärker aus.

Auf Hochsensible treffen diese Eigenschaften meist zu:

  • leicht übererregbar und schreckhaft
  • durchdenken vieles besonders gründlich
  • erleben Emotionen stärker und intensiver
  • haben nach einem anstrengenden Tag das Bedürfnis sich zurückzuziehen
  • sind nicht besonders gut in der Selbstfürsorge
  • nehmen sich Kritik oft selbstkritisch zu Herzen
  • messen sich nicht gerne mit anderen
  • lassen sich durch Stimmungen anderer leicht beeinflußen
  • träumen oft intensiv und lebhaft
  • nehmen Feinheiten in ihrer Umgebung sehr gut wahr
  • sind geräuschempfindlich

Hochsensibilität ist vermutlich genetisch bedingt. Die Überregbarkeit scheint das Kernkriterium der HSP zu sein. Ich bin der Meinung, dass ich auch dies von meiner Oma geerbt habe, denn einen mitfühlenderen Mensch habe ich bisher nie kennengelernt.

Was mich nun sehr fasziniert hat, ist, dass hier auch darauf eingegangen wird wie die Prägung und Sozialisation eines HSP sich in der / durch die Kindheit entwickelt. Hier werden 2 ganz Extreme Beispiele aufgeführt:

  • Das erste Beispiel bezieht sich auf eine super harmonische Kindheit, Erziehung ohne traumatische Erlebnisse und in guter Balance mit der Hochsensibilität, eventuell ist ein Elternteil ebenfalls HSP und lebt ihm schon Bewältigungsstrategien vor, sodass das Kind quasi ohne Selbstwertprobleme, weniger selbstkritisch und mit weniger Perfektionismus aufwächst und groß wird.
  • Das zweite Beispiel bezieht sich auf eine weniger harmonische Kindheit, das eine Elternteil ist eventuell überfordert (aufgrund der eigenen HSP), die Eltern streiten sich, die Stimmung ist oft angespannt, eventuell lassen sich sich auch noch scheiden und das Kind wächst so in Angst, Bedrückung und Unsicherheit auf. Das Kind lernt somit schon früh negative Emotionen kennen und mit einem Mangel an Stressbewältigungsstrategien, somit wird es in Zukunft vermutlich auch mit solchen negativen Gefühlen überfordert sein, besonders Ängste.

Ich bin relativ wenig belastbar und, wie Yves Saint Laurent einmal gesagt haben soll „bereits mit dem Nervenzusammenbruch geboren“ Dirk von Lowtzow

Das Gehirn hochsensibler Personen ist quasi permanent „wach“, diese ständige Bereitschaft führt dazu, dass sie leicht erschöpfen. Bei HSP ist es tatsächlich so, dass die Konzentration von Botenstoffen wie Cortisol und Noradrenalin im Körper höher ist als bei Nicht-HSP. Die Gehirnregion, die für die Dämpfung des Erregungspotenzials zuständig ist, ist bei HSP weniger stärk ausgeprägt, somit können sie eben die Reize weniger nach wichtig und unwichtig filtern und sind schneller überreizt, weil sie quasi jeden Reiz wahrnehmen und verarbeiten müssen. Das ist keine Krankheit, sondern eine angeborene Eigenschaft wie eine bestimmte Augenfarbe.

das Positive/postive Eigenschaften am Hochsensibel-Sein:

  • sehr aufmerksam und reaktionsschnell, große Detailwahrnehmung
  • durchdenken Dinge und Ihre Konsequenzen gründlich, umsichtig und vorsichtig
  • hohe Qualitätsansprüche an ihre Arbeit und Selbstwerdung
  • sehr selbst reflektiert und hinterfragend
  • vernetztes Denken
  • phantasievoll, kreativ und Freude an Ästhetik
  • künsterlich und kulturell
  • wissbegierig und lernfreudig
  • guter Spürsinn und ein 7. Sinn
  • hilfsbereit, fürsorglich und rücksichtsvoll, Bedürfnis die Welt besser zu machen
  • naturverbunden, tierlieb und viel Mitgefühl
  • emphatisch
  • ausgleichend und integrierend
  • tiefgründig und fundiert
  • Freude an Kleinigkeiten

 

Tips für einen guten Start in den Tag:

  • sanftes Wecken durch einen angenehmen Alarm-Ton z.B Meeresrauschen oder einen Lichtwecker
  • Snoozen (naja, ich mag das nicht so gerne…)
  • Räkeln und Gähnen (wie meine Kaninchen es tun 🙂 ) das tonisiert die Muskulatur, regt die Durchblutung an und versorgt das Gehirn mit Sauerstoff
  • positiver Gedankenstart und lächeln! Sehr wichtig, der erste Gedanke hat Einfluß auf den ganzen Tag z.b. „Heute wird ein toller Tag.“  „Heute bin ich gelassen“
  • mit der Faust in die Luft greifen und 10x kräftig schließen und wieder öffnen und Finger spreizen, soll Energie verbreiten
  • Frische Luft am Fenster oder auf dem Balkon einatmen
  • genussvoll Duschen
  • eine warme Begrüßung für den Magen z.b Tee
  • ein gutes, energiereichen gesundes Frühstück
  • in den Tag tanzen bei guter Musik
  • den Körper abklopfen mit leichter Faust von den Armen, über Brust, Bauch bis zu den Füßen, über den Hintern bis zum Kopf und mit den Fingern Gesicht und Kopfhaut
  • in den Himmel blicken, ein reizarmer Fernblick
  • flottes Gehen oder Treppensteigen

Durch den Tag:

Pause machen bevor man sie braucht:

ein typischer Zyklus besteht aus 5 Phasen und dauert 90 Min.

  • Aufstieg (hier darf man auch gerne einen Kaffee bei trinken)
  • Zwischenhoch
  • Gipfel
  • Abstieg
  • Zwischentief
  • hier lohnt sich eine kleine Pause um wieder von vorn zu beginnen

Unnötige Unterbrechungen machen mürbe, jede Unterbrechung von ca. 3 Sek. lässt die Fehlerquote ansteigen, da wir nicht multitaskingfähig sind und dies auch nicht versuchen sollten!

Power Napping:

  • die Dauer sollte nicht länger als 20- 30 Min betragen, damit man nicht in den Tiefschlaf fällt
  • Handywecker oder Schlüsselbundmethode (der vermutlich aus der Hand fällt wenn man fest einschläft)
  • das Kurzeitgedächtnis wird erfrischt, die Konzentrationsfähigkeit, sowie die Leistungsfähigkeit steigt, Fehlerquote und Herzinfarktrisiko sinkt, die Laune steigt aufgrund der Glückshormone und es ist oft Balsam für die Seele 🙂

Sonstiges: Tageslicht nutzen für die innere Uhr des eigenen Organismus, auch ein belebendes Mittagessen und viel Obst, und viel trinken ist wichtig.

Gut in die Abend:

  • Feierabendrituale und „Ich-Zeit“ schaffen
  • achtsam Hände waschen
  • den Tag abschütteln
  • Kleidung wechseln
  • eincremen
  • Überblick auf den nächsten Tag verschaffen, darauf vorbereiten und abhaken/loslassen
  • online-zeit begrenzen  Digital Detox
  • das richtige Licht nutzen (Dämmerlicht am Abend fördert Ausschüttung von Botenstoffen wie Melantonin)
  • Bettfein machen und evtl kleine Absacker praktizieren (z.b. eine Tasse Tee, Entspannungsübung, Lesen, Füsse massieren)

Gut in die Nacht:

  • Notizen machen, falls einem was einfällt, denn
  • Grübelgedanken gehören nicht ins Bett (außerhalb aufschreiben!)
  • wenn es nicht klappt mit dem schlafen: langweilige Dinge machen, wie Puzzeln, Ausmalen oder Handtücher bügeln…
  • kuschelige Decken und Kissen anschaffen z.B. Memory Faser Kissen, vllt auch eine Wärmflasche
  • niemals nachts auf die Uhr schauen
  • niemals nachts auf das Handy schauen (sonst werden Aufwachhormone produziert)
  • Alkohol vermeiden, hilft nur für das Einschlafen, nicht für das Durchschlafen
  • Seitenschläfer können sich ein Seitenschläferkissen anschaffen
  • abends schwer verdauliches vermeiden wie Vollkorn, Salat oder frisches Obst, die letzte Mahlzeit sollte ca. 3 Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden
  • ein beruhigendes Hörspiel oder beruhigende Musik zum einschlafen hören..

-Fortsetzung folgt-

 

 

 

 

 

 

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8 Gedanken zu “Hochsensibel im Alltag #1

  1. Toll beschrieben, die Anregungen gefallen mir auch sehr gut! 🙂

    Eine Frage: Kann ich irgendwo dran sicher fest machen, dass ich hochsensibel bin?
    Als ich damals das erste Mal davon hörte und jetzt auch bei den Beschreibungen deines Posts finde ich mich in fast allen Punkten wieder, es war ein Aha-Erlebnis. So vieles aus meiner Jugendzeit machte plötzlich Sinn… Ich habe dann verschiedene Tests im Netz dazu aus Neugier ausprobiert, bei denen ein recht hoher Wert herauskam. Eine Schwester in der Klinik meinte dann später einmal, ich sei hochsensibel u.a. wegen meiner starken Gefühle, dem Blick für Details und Kreativität. Leider sprachen wir dann nicht weiter darüber …
    Feste Kriterien wie z.B. bei einer Angsterkrankung gibt es nicht, oder bzw. es wird nicht als Erkrankung/Diagnose gesehen sondern mehr als Persönlichkeitsstil, wenn ich das richtig verstanden habe? Hätte noch viele Fragen, aber ich belasse es erst einmal dabei 😉

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    1. Ehrlich gesagt weiß ich das auch nicht so ganz genau, ich habe bisher auch nur Online Tests gemacht, die mir das immer wieder bestätigt haben.Und eben viel darüber gelesen. Wenn die in der Klinik das bei dir gesagt haben ist das sicher nochmal eine Bestätigung für Dich. Dein Therapeut wird dir vllt mehr sagen können?
      Die Hochsensibilität ist wohl tatsächlich nur ein Persönlichkeitsmerkmal, ein Wesenszug und die Angsterkrankung denke ich kann daraus folgen, wenn man nicht richtig damit umgeht/umgehen kann. So ähnlich , denke ich, ist es wohl zumindest bei mir gelaufen.

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      1. Danke, du hilfst mir damit schon weiter! 🙂 Mit meiner Therapeutin hab ich mich noch nicht getraut darüber zu sprechen von wegen Selbstdiagnose und so. Vllt. versuche ich das aber mal bald …

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  2. Ich las mal die Symptome von Tollwut und dachte: „Oh, das kenne ich, wenn das so ist, hab ich auch manchmal welche!“ 😀 Will sagen, wenn man die Merkmale von Hochsensibilität liest, denke ich mir zuerst: „Trifft das nicht auf die meisten Menschen zu? Würde das nicht jeder bejahen?“
    Ich habe keinen Test gemacht und weiß nicht, ob das auf mich zutrifft, aber ich finde mich in fast allen Punkten wieder und kann die beschriebenen Befindlichkeiten und auch die Strategien gut nachvollziehen. Manches praktiziere ich schon von allein, weil ich merkte, dass es mir dann besser geht.
    Eigentlich gehe ich davon aus, dass die Menschen um mich herum auch so sein müssen. Aber im Alltag merke ich schon oft, dass dem nicht so ist. Meine Freundin ist selbst hochsensibel und meinte, ich wäre es wohl auch…

    Danke, dass du uns an deinen Erkenntnissen und Gedanken Anteil nehmen lässt. Es passt mal wieder gut. 🙂

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    1. Man geht oft davon aus, dass andere genauso fühlen, oder denken aber nein, dem ist nicht so, definitiv. Ich meine, vllt hat ja auch ein fast jeder die „Symptome“, aber eben nicht so stark ausgeprägt. Mach doch mal den Test auf Zartbesaitet.net, würde mich interessieren 🙂

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  3. Ich hab’s getan. Hier ein Testergebnis:
    „Sie haben 268 Punkte…
    Sie sind mit an Gewissheit grenzender Sicherheit eine HSP.“

    …erklärt sicher Manches. Mein Leben habe ich schon instinktiv weitgehend angepasst. Jedoch sollte ich besonders mein angelerntes permanentes „Multitasking-Bestreben“, das im Übrigen recht gut funktioniert, überdenken, weil es mich doch mehr stresst, als bereichert.

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    1. Wow, also dann- willkommen im Club 😉 Das sind auch ganz schön viele Punkte, ich habe übrigens 296 (Stand gestern). Ja Multitasking.. ich wurde auch oft, vorallem auf der Arbeit dafür bewundert, aber es ist ja eigentlich nicht wirklich möglich, das Gehirn schaltet bloß schneller hin und her .. also quasi in kürzester Zeit zu viele Reize von allen Seiten, ich bin es mir auch am abgewöhnen 🙂

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